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 Freudiges Wiedersehen

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Lethe Baratheon

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Anzahl der Beiträge : 24
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BeitragThema: Freudiges Wiedersehen   Do Jan 11, 2018 11:37 pm


Wann: 14. April 2017 (?)
Um: 12:30
Wo: Speisesaal 3

Was ist eigentlich, wenn du ein Mensch der Veränderung bist? Wenn du dich ständig neu erfinden möchtest? Wenn du immer etwas Neues ausprobieren möchtest? Dann siehst du dich wahrscheinlich als Freigeist. Ein Geist, der ohne jede Einschränkung weiterlebt. Ein Geist, der seine Entscheidungen selbst trifft. Was ist aber, wenn dir diese Entscheidungsfreiheit plötzlich genommen wird? Wenn dir sämtliche Freiheiten genommen werden? Wenn dein energiegeladenes Ich plötzlich zum Stehen bleiben gezwungen wird, eingesperrt an einen Ort, an eine Stelle?
Cynthia Strickland-Jensen ist das genaue Abbild eines solchen Seins. Man beraubte sie ihrer Freiheit, beraubte sie ihrer Möglichkeiten, ihrer Kontakte, ihres Sohnes. Völlig geknickt, blass und müde, mit einer verblassenden Platzwunde ober der linken Augenbraue, saß die besagte Cynthia auf dem Bett, das man als ihres deklariert hatte. Ein Bett, das ihr völlig fremd war, in einem grauen Jogginghose, in einer Umgebung, die vor Kälte nur strahlte. An diesem Ort gab es nichts Persönliches, als wolle man sie ihrer Identität berauben. Noch wusste Cynthia wer sie war und was sie nicht war. Man versuchte ihr Geschichten, Gräueltaten, Psychosen zuschreiben. Man wollte sie zu einer Verrückten machen, oder nein, nicht man, ihr Ehemann wollte es. Ein Mann, dem sie bis vor wenigen Wochen noch ehrliche Absichten zugeschrieben hatte. Er würde aus ihr keine Verrückte machen. Ihr Wille war zu stark…noch…nein…er blieb stark. Verzweifelt rieb sich die Patientin an den Schläfen. Jeder Zweifel war unangebracht und sie musste ihn ausmerzen, denn ansonsten hätte sie bereits verloren. Doch wie sollte sie das auf Dauer anstellen? Man gab ihr tagtäglich Tabletten, die sie schläfrig machten, ihr die Denkfähigkeit nahmen, bis sie wieder für wenige Momente an die Oberfläche tauchen konnte und an ihr reales Leben erinnert wurde. Kein Leben in dieser Anstalt, ein Leben da draußen, in Freiheit, an Orten, wo man nicht für sie entschied. Cynthia rieb sich ihre Hände. Bis vor wenigen Wochen hatte man sie auch der Bewegungsfreiheit beraubt, sie an ein Bett gefesselt und ihr Tabletten in den Rachen gestopft. Erst als Cynthia aufgehört hatte, dagegen aufzubegehren, hatte man sie von diesen Fesseln befreit, doch gedroht, sie nur bei einer Kleinigkeit wieder in diesen Zustand zu bringen. Warum man sie gefesselt hatte? Da sie zu der gewaltbereiten Sorte von Patient zählte. Ein Patient der nicht nur sich selbst schadete, sondern auch anderen. So dachten zumindest die Angestellten. Ob lediglich ihr Mann, Kenneth, Dr. Jensen, ein Psychiater und sie von der Wahrheit wussten? Oder gab es noch mehr Schuldige? Eine Frage, die zu den unzähligen in Cynthias Kopf zählte. War sie nicht gerade im Delirium, ließ man sie hier, an diesem Ort, völlig mit ihren aussichtslosen Gedanken alleine. Bisher hatte sie keinen Weg in die Freiheit gefunden und jeder behandelte sie wie eine gemeingefährliche Verrückte, die versucht hatte, ihre Familie umzubringen. Auch Kenneth behandelte sie so, doch seine Augen verrieten ihn. Er log. Er wollte sie verrückt machen. Langsam verebbten sogar ihre Heulkrämpfe, die sie in ihren unsedierten Zeiten aufsuchten, aufgrund von Verzweiflung und dadurch ausgelösten Stress. Von Tag zu Tag in fast vollkommener Isolation wurde sie immer in sich gekehrter. Keiner wollte wirklich ein Wort mit ihr sprechen, man blickte auf sie, wie auf eine Verrückte. Dieses Personal schien dies die Patienten spüren lassen zu wollen. Die Menschen änderten sogar ihr Sprachverhalten, sollten sie einmal doch den Mund aufmachen. Redeten mit ihr, wie mit einem Kind. Selbst ihre langsames vorankommen in der Hierarchie, wie sie es sah, half ihr nicht recht aus ihrer betäubten Gefühlswelt hinaus. Mit ihrem Hierarchiestand hatte sie erstmalig das Recht, oder auch meist die Pflicht, sich unter andere Patienten zu mischen. Ebenso kein angenehmes Unterfangen, denn eine Leidensgenossin, die hier nur versehentlich gelandet war, hatte sie noch nicht gefunden. Die anderen Patienten hier waren tatsächlich…eigen. Jeder von ihnen. Die einen mehr, die anderen weniger und Cynthia wollte genau genommen nichts mit ihnen zu tun haben. Es graute sie vor jeder gemeinsamen Sitzung und vor jeder gemeinsamen Mahlzeit. Ständig lebte Cy in der Angst, man würde sie angreifen, sie als Leidgenossin sehen, oder dass sie tatsächlich noch verrückt werden würde. Es hieß das Umfeld beeinflusste jeden Menschen sehr stark. Ein Glück dass sich diese Patientin selbst als sehr erwachsen und unbeeinflussbar sehen würde. Noch zumindest. Was wusste sie schon, was diese dauernde Medikation mit ihr anstellen würde. Leider wusste sie es überhaupt nicht. Sie hätte mehr in den Büchern ihres Mannes schmökern sollen.
Cynthia konnte nur den Kopf über sich selbst schütteln. Momentan drehten sich ihre Gedanken im Kreis. Es wäre besser, wenn sie sich einen genauen Plan überlegen würde, wie sie hier rauskam. Das Planen hatte sie auch stets Kenneth überlassen. Der konnte das. Er hatte bestimmt schon seit längerem geplant gehabt, sie unter Drogen zu setzen, ihr ein gefährliches Verhalten anzudichten und sie hierherzubringen. Spontan war diese Entscheidung bestimmt nicht ausgefallen. Cynthia war spontan, Kenneth war planend.
Je wurde sie mit ihren Gedanken gestört, angekündigt durch das Öffnen der Türe, an der ein kleines Fenster angemacht war. Sie hätte jederzeit dieses Zimmer verlassen können, doch dieses Gebäude allerdings nicht. Eine Person trat ein. Ein Mann, bekleidet mit weißen Krankenhausklamotten, die diesen Ort nur noch schrecklicher machten. Kurz hatte Cynthia aufgesehen, in die braunen, unspektakulären Augen eines Mannes um die 40. Schnell sah sie aber wieder auf ihre befreiten Hände.
,,Mrs. Jensen…‘‘, setzte der Mann in dieser Typischen Stimmlage, die nur Verrückte zu hören bekamen.
,,Mrs. Strickland-Jensen, oder nur Mrs. Strickland.‘‘, besserte Cynthia den Pfleger aus und schenkte ihm ein emotionsloses Mundwinkel anheben, das etwas Arrogantes an sich hatte. Auf keinen Fall wollte sie nur mit dem Nachnamen ihres Mannes angesprochen werden. Nicht mehr, früher wäre ihr dies völlig gleich gewesen. Ein sehr kindisches Verhalten, das war Cynthia bewusst.
,,Gut... Ms. Strickland-Jensen.‘‘ Na geht doch! Er klang genervt und nicht wie einer, der mit einer Verrückten sprach. ,,Es ist Essenszeit. Man erwartet Sie im Speisesaal 3. Ich begleite Sie dorthin.‘‘ Lange hatte es nicht angehalten, denn schon wieder war seine Stimmlage umgeschwungen und hörbar hatte er die Wörter langsamer ausgesprochen. Am liebsten hätte sie ihn als Idioten beschimpft, doch genau das schien man von ihr zu erwarten. Dass die Verrückte ausfallend wurde und dem Pfleger gleich an die Gurgel sprang.
Cynthia erhob sich langsam und etwas unsicher, da sich nicht nur ihr Geist, sondern auch ihr Körper vor Müdigkeit strotzte. So seltsam hatte sie sich nicht einmal gefühlt, als sie mit einer Lungenentzündung ans Bett gefesselt war, denn es war ganz einfach ein anderes Gefühl. Ein Gefühl, von dem sie fürchtete, dass es viel langsamer schwinden würde, als eine Lungenentzündung.
Neben ihr und doch ein winziges Stück weit vor ihr gehend, brachte sie der Pfleger zu einer Doppeltür mit ebenfalls Fenstern, auf der groß eine 3 abgebildet war. Die Gänge bestanden aus Holz, Panzerglasfenstern und grauem Beton. Es war ein ziemlich neues Gebäude, immerhin. Cynthia wusste durch ihren Mann, der hier auch noch arbeiten musste, ganz genau wo diese Anstalt lag. Eine Klinik für die ganz schweren Fälle, die viel Zeit ihres Mannes raubte, doch mittlerweile war sie sich nicht mehr sicher, ob dahinter nur Patienten steckten und wenn doch, waren es sehr hübsche Patientinnen. Dieses Mal war ihr zum Glück kein anderer, herumirrender Patient am Gang begegnet, wobei sich das in wenigen Augenblicken ändern würde.
,,Jetzt schaffen Sie es wohl alleine, hm?‘‘, meinte der Pfleger, als er Cy die Türe aufhielt und sie eintrat.
,,Das nächste Mal können Sie mir auch gerne den Weg beschreiben, hm?‘‘, erwiderte sie im zynischen Ton und der Pfleger verschwand grummelnd. Da stand Cynthia also und beobachtete die interessanten Gestalten, wie sie mit ihren Tabletts auf einer großen Tafel saßen. Jeder erhielt eine speziell vorgegebene Portion. Bisher hatte sie lediglich im Speisesaal 2 die Mahlzeiten zu sich genommen. Hier scheinen ganz andere Patienten zu verkehren, zumindest kam ihr niemand bekannt vor. Meist verdrückte sie sich ohnehin in eine Ecke, obwohl manchmal sehr wohl ein Funken von Interesse aufkeimte, mit einem Patienten zu kommunizieren, doch dann erinnerte sie sich daran, dass sie hier gleich gar keine seltsamen Beziehungen anfangen wollte.
Um ihr Essen zu erhalten, musste Cynthia zur Essensvergabe schreiten, wo man ihr ein gewisses Tablett mit ihrem Namen überreichte, worauf sich das heutige Mittagessen befand. Hühnchen mit Reis und Fleischsauce. Überraschenderweise war das Essen hier nicht gänzlich ungenießbar, wenngleich auch nicht von solch einem Geschmack, wie Cyn es gewohnt war. Das lag aber eventuell auch nur daran, dass auch ihre Geschmacksnerven gestört wurden. Mit dem Tablett setzte sie sich an ein sehr freies Eck der Tafel, ohne einem Patienten auch nur versucht in die Augen zu blicken. Manche unterhielten sich, manche eventuell mit sich selbst und andere wirkten ebenso eher wie Einzelgänger, was Cynthia in der Außenwelt sonst nie war.

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