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 Sysha Baelish

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Janosch X
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BeitragThema: Sysha Baelish   So Nov 12, 2017 11:32 am

WHO TAUGHT YOU HOW TO HATE?
SYSHA & PETYR BAELISH || 2-3 WOCHEN NACH LETHES FLUCHT || 23:15 UHR || HOSPITAL, ZIMMER 143

Stille legte sich über das Krankenhaus wie ein Leichentuch. Die letzte ärztliche Visite war bereits einige Stunden her und erst gegen Mitternacht würde der nächste Pfleger nach den Patienten sehen, vorausgesetzt es geschah nichts Unvorhergesehenes. Die Besuchszeit derweil war schon längst vorüber. Doch für Petyr Baelish gab es keine geschlossenen Türen. Erst recht nicht, seit er seinen Sohn in eben diesem Hospital untergebracht hatte. Der siebzehnjährige Sysha Baelish lag in einem Einzelzimmer im ersten Stock, etwas abgelegen von den übrigen Zimmern, aber nicht so abgelegen, dass jemand Verdacht schöpfte. Er erholte sich von einem schweren Raubüberfall, der ihn verkrüppelt zurückgelassen hatte. Das war zumindest die offizielle Geschichte, und jedes Mal wenn Kleinfinger seinem Bastard einen Besuch abstattete, sorgte er dafür, dass dieser perverse Nichtsnutz sich daran erinnerte. Ein wenig Druck auf den Gips um seinen linken Unterschenkel reichte meistens aus, und wenn nicht dann gab es immer noch zwei gebrochene Handgelenke und eine ganze Reihe zerschmetterte Rippen.
Sysha hob nur leicht den Kopf, als die Gestalt sein Krankenzimmer betrat. Seine zuvor dichten, dunklen Locken fielen ihm nicht mehr ins Gesicht seit er sich vor einigen Tagen die Haare vollkommen hatte abrasieren lassen, trotzdem musste er den Kopf weit drehen, um die schmale Silhouette seines Vaters zu erkennen. Dort wo vor wenigen Wochen noch sein rechtes Auge gewesen war klaffte jetzt eine leere, stetig eiternde Höhle. Noch immer erinnerte er sich beinahe bildlich an den Schmerz als Tybalt Lannister die Finger in seinen Augapfel gerammt, und ihn zerdrückt hatte wie eine überreife Frucht. Er hatte nur zweimal geschrieen. Einmal als der gottverdammte Tod ihm das Auge auskratzte und einmal als er ihm das zweite Handgelenk brach. Die gebrochene Nase, die gebrochenen Rippen, die Schläge, Tritte und Schnitte hatte er ertragen. Aber nicht diese Zerstörung seiner Funktion als Kämpfer.
Er musste den Kopf um beinahe neunzig Grad drehen, um Petyr sehen zu können, der wie immer auf der rechten Seite seines Bettes stand. Kleinfinger wusste, wie er seinen Sohn dazu brachte, sich hilflos und ausgeliefert zu fühlen. Er wusste auch, dass Sysha dieses Gefühl so sehr hasste, wie er es liebte dieses in ihm hervorzurufen – und er wusste auch, dass Sysha es wusste. Sehr viel Wissen also, und damit sehr viel Macht. Der Junge versuchte sich unter zu Hilfenahme seiner Ellbogen in eine halbwegs aufrechte Position zu bringen. Schmerz verzerrte sein Gesicht, aber keine Sekunde dachte er daran, seinen Vater auch nur um das kleinste wenig Stützkraft zu bitten. Er hätte sie sowieso nicht bekommen. Stumm beobachtete der ältere Mann, wie Sysha sich abkämpfte, versuchte sich unter vollem Einsatz seiner noch funktionsfähigen Gliedmaßen – also einem Bein und zweier halben Arme – aufzusetzen. „Du brauchst niemandem etwas zu beweisen.“, meinte er schließlich. „Glaubst du es macht dich weniger zu einem Versager, nur weil du dich jetzt hinsetzen kannst?“, er lachte bitter und seine Stimme troff förmlich vor Bosheit. „Das sind Selbstverständlichkeiten Todd.“, Petyr dachte nicht einmal daran, den richtigen Namen seines Sohnes zu verwenden. Ihn überhaupt als seinen Sohn anzusehen. Hätte er sowieso nie, wenn Joffrey ihn nicht dazu gezwungen hätte.
Aber Joffrey war nicht hier und dieser Haufen halb zertrümmertes Fleisch in dem Krankenbett vor ihm war sein Eigentum. Er sah keinen Unterschied zwischen Sysha und seinen Nutten. Obwohl doch, einen Unterschied gab es. Keine seiner Nutten, nicht die Unfähigste hatte jemals so sehr versagt wie dieser verfluchte Bastard. Mit versteinertem Ausdruck griff Petyr nach dem Arm des Schwerverletzten, doch anstatt ihm aufzuhelfen, zog er ihn weg. Der andere Arm rutschte ab und einen Moment lang drückte das volle Gewicht seines Oberkörpers auf dem linken Handgelenk lag. Mit dem gewünschten Effekt. Der Bastard fiel vollends zurück auf die Matratze, krampfhaft bemüht sich den Schmerz der Demütigung nicht anmerken lassen. Sein linkes Auge tränte, aber er drehte sich weg. „Dann bring mich doch einfach um.“, seine Stimme war kaum mehr als ein flüstern, aber Kleinfinger verstand jedes Wort. „Was?“, fragte er. Nicht ungläubig, eher... belustigt. „Dann bing mich doch endlich um.“, wiederholte Sysha, lauter diesmal. „Kannst du das auch sagen, während du mich ansiehst?“, verlangte Petyr. Tatsächlich drehte der Siebzehnjährige den Kopf so weit zu ihm, dass das einzelne schlammbraune Auge ihn direkt anstarrte. Müde und wütend zugleich. Müdigkeit und Wut schwangen jetzt auch in seiner Stimme mit. „Ich will dass du mich gottverflucht noch mal endlich umbringst!“ Petyr schwieg.
Syshas Blick brannte sich förmlich durch ihn hindurch. „Ich weiß dass ich versagt habe.“, zum ersten Mal gab er sein Versagen zu, ohne durch direkte physische Misshandlung dazu gezwungen worden zu sein. „Und ich bin absolut nutzlos geworden. Ich bin ein Krüppel. Sie kennen mein Gesicht. Ich tauge nicht einmal mehr für irgendeinen verfickten Selbstmordattentat. Ich könnte mich ja nicht mal mitm Rollstuhl irgendwohin rollen, selbst wenn man das Treppenproblem mal außen vor lässt.“, er lachte zynisch über seinen eigenen Witz. „Ich kann so nicht leben. Nicht als Krüppel.“, wiederholte er. „Also bitte: Bring mich um, schiebs auf einen der Pfleger und der Fehler Sysha Baelish ist aus der Welt.“ Kleinfinger hatte noch immer kein Wort gesprochen. Jetzt beugte er sich vor und legte seine Hände um den Hals des Jungen. Der schmale Körper begann krampfhaft zu zucken, als er zudrückte. Erst schwach, dann immer kräftiger, bis die eingegipsten Handgelenke ihm gegen die Schulter schlugen und auch das verbliebene Auge aus Syshas Kopf zu springen schien. Erst als sein Sohn sich an der Grenze zur Bewusstlosigkeit fand ließ er los.
Die Maschinen, an denen er angeschlossen war, spielten verrückt. Petyr blieb nicht viel Zeit. Aber die brauchte er auch nicht. Das alles hier wäre in wenigen Augenblicken erledigt. Er beugte sich zu dem Halbtoten hinunter, der hektisch nach Luft schnappte „Ich habs dir fast abgenommen.“, zischte der Ältere ihm ins Ohr. „Aber diese ganze Fehlernummer... das war ein bisschen übertrieben. Du willst nicht sterben um es mir leichter zu machen, du willst dich aus purem Egoismus umbringen lassen. Aber vergiss es. Du hast deine Schulden bei mir noch nicht beglichen. Und wenn du das nicht hinbekommst, dann wäre es zu gnädig dich einfach verrecken zu lassen. Nein, du wirst dafür bezahlen. Selbst wenn das bedeutet dir bis zum Ende deines Lebens einen verfickten Babysitter an die Seite zu stellen.“ In Syshas Auge flackerte für einen Moment lang etwas auf. War es Wut? Nein. Angst. Angst traf es weitaus besser. Petyr lächelte. „Und wenn du es wirklich so nötig hast zu sterben... deine Organe sind auf jeden Fall von Nutzen. Also demolier sie bitte nicht, wenn du deinen Tod in die eigenen Hände nehmen solltest. Sofern du überhaupt noch etwas mit diesen Händen unternehmen kannst.“ Damit verschwand er aus dem Zimmer.
Die Pfleger hatten sich Zeit gelassen. Der Patient in Zimmer 143 war alles andere als ihr Favorit und sie hätten es gelinde gesagt halbwegs begrüßt, wenn er unter mysteriösen aber zumindest ausreichend natürlichen Umständen verstarb. Als sie allerdings den Raum betraten, lag Sysha nur ruhig in seinem Bett, den Blick starr zur Tür. Auf die Frage, was geschehen sei antwortete er nur „Panikattacke. Flashback. Ist schon wieder gut. Vielen Dank.“, diese Auskunftbereitschaft und Höflichkeit war ungewöhnlich für ihn, aber die beiden Pfleger hielten es nicht für nötig, ihn darauf aufmerksam zu machen.
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