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 Und du hast ihnen doch alles gegeben. Deine Kraft, deine Jugend, den Leben.|| Mae und Pixie

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Pickford Oliver Young
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BeitragThema: Und du hast ihnen doch alles gegeben. Deine Kraft, deine Jugend, den Leben.|| Mae und Pixie   Mo Jun 05, 2017 1:36 pm

Wie sollte man sich fühlen, nachdem man gerade jemanden entführt hatte, der zu einem war wie ein Bruder? Wie sollte man sich fühlen, wenn man wusste, dass es das einzig richtige war, das man machen konnte? Und wie zur Hölle sollte man sich fühlen, wenn man seine Familie, zum ersten Mal seit so vielen Jahren wiedersehen konnte. 10 Jahre. Das war eine so unglaublich lange Zeit. Er wusste nicht einmal wie sie aussehen würden. Seine Eltern. Waren sie gealtert? Nun…mussten sie ja. Er war zu einem Erwachsenen geworden in dieser Zeit. Sie waren es schon – wer konnte schon so genau sagen ob sie sich verändert hatten. Wer konnte schon sagen ob sie ihn erkennen würden, würde er nun an ihnen vorbeigehen. Seine Geschwister würde er erkennen. Sie ihn auch. Er hatte sie immer wieder gesehen, als er bei Zephyr gelebt hatte. Pyt und Maverick würden hier sein. Maurice nicht.

„Er hat seine Arbeit dort noch nicht beendet.“, wurde ihm lediglich gesagt als er nach ihm gefragt hatte. „Aber er wird bald auch hier sein – keine Sorge. Noch ist er uns dort nützlicher als hier.“

Pickford hatte das abgenickt. Nicht viel dazu gesagt, es einfach nur angenommen. Sie würden schon recht haben und wenn er an die Schmerzen dachte, die aufdringlich in seinem Arm zu pochen begannen und in seinen gesamten restlichen rechten Arm und Brustbereich weiterstrahlten, war er ganz glücklich darüber, dass er das noch nicht ertragen musste. Andererseits war er nun endlich frei. Was waren schon zeitweilige Schmerzen, im Gegenzug zur Freiheit.  Es war ein unglaubliches Gefühl zu wissen, dass da niemand mehr war, der jeden seiner Schritte gegen seinen Willen beobachtete. Dabei war es ihm bis vor zwei Tage nicht aufgefallen, wie beschränkt er sich gefühlt hatte. Es stimmte wohl, dass man seine Ketten erst spürte, wenn man sich bewegte. Und nun konnte er sich endlich richtig bewegen. Leben. Vielleicht das erste Mal wirklich, seit er geboren wurde. Denn auch die 9 Jahre, die er noch nicht seine Zeit unter strengster Aufsicht und in engstem Kontakt mit dem was er am Meisten verabscheute gelebt hatte, waren niemals wirklich frei gewesen. Er war geknechtet, beobachtet und rechtlos gewesen. Hier würde das anders sein – wenn sie ihre Ziele erreichten, würde es nicht nur hier anders sein. Es würde überall anders sein. Sie würden alle leben können und zwar so wie es für sie alle würdig war. Menschenwürdig.


All diese Gedanken schlichen in seinem Kopf herum, während Pickford schrecklich langsam dem Mann folgte, der ihn zuvor mit wenig freundlichen Worten aufgefordert hatte ihm zu folgen. Er war der erste unfreundliche Mensch, den er bisher hier gesprochen hatte…und beinahe der Einzige. Er war im Krankenflügel aufgewacht. Erschrocken und panisch wo er war, bis ihm alles wieder eingefallen war. Leute in Kitteln, Mann wie auch Frau, huschten umher. Im Bett neben ihm lag ein Junge, kaum älter als er, dem ein Arm fehlte und ein Bein. Der Verband war blutig. Einige Personen waren hektisch damit beschäftigt ihn zu versorgen. Für gewöhnlich hätte es ihn schockiert, entsetzt, zumindest in eine Stresssituation versetzt, aber diese Gefühle konnten nicht zu ihm durchdringen, denn ein viel intensiverer Reiz setzte sich durch. Der stechende Schmerz, den er mittlerweile nur noch so sachte und unklar verspürte, nachdem der unfreundliche Mann ihm Tabletten gegeben hatte, von denen er nicht wusste, was sie bewirkten.
Siehst du den Kerl neben dir?!“, hatte er gefragt und Pickford wollte nicht noch einmal zu dem Bett neben seinem sehen. „Er ist jünger als du. Und er ist so verletzt worden, bei der Mission dich zu holen. Dich und den Kleinen. Er hat Schmerzen. Du hast keine. Du bist im Grunde kerngesund und nur eine verdammte Bürde los. Also jammere nicht herum, Prinzessin!“


Also hatte er nicht mehr gejammert. Auch wenn er gerne noch ein paar Mal angemerkt hätte, dass er Schmerzen hatte. Aber nichts da – stattdessen folgte er dem Kerl der ihn zu Mama bringen sollte. Diejeninge, die es geschafft hatte, die Leute hier zu einer vernünftigen Gruppe an Widerstandskämpfer zusammen zu trommeln und eine Umgebung für die Verstoßenen zu schaffen, die es leid waren im Dreck zu kriechen. Sie war eine Ikone. Ein Idol. Ein Symbolbild für den Widerstand und für den Kampf gegen das System. Die Avantgarde der Rebellion und nun würde er sie endlich persönlich sehen. Im Präsidentenhaus hatten sie keine Ahnung wer sie war – sie tappten im Dunklen. Aber in den Gegenden, denen sich die hohen Tiere der Gesellschaft nicht einmal im Umkreis von 20 Km näherten, wurde von ihr gesprochen. Und sie wurde hoch gefeiert. Es war das Glück der Rebellen, dass die Herrschaften der höheren Klassen nicht viel davon hielten sich mit dem ‘Pack‘ abzugeben, auf dessen Kosten sie lebten. So sickerte nur schwer etwas über sie durch und der Aufruhr wurde dennoch größer. Die Gefahr kam aus dem Untergrund.

Doch obwohl Pickford darauf brannte diese Frau zu sehen, die es schaffte so viele Leute dazu zu bringen sich zu rühren, wollte er noch lieber andere Leute sehen. Seine Familie…aber wie ihm gesagt wurde, waren sie an der Arbeit und darum würde er sie wohl auch nicht sehen, wenn er durch die langen Gänge ging. Es war voll und unglaublich heiß. Er sah so viele Menschen um sich herum, auf so engem Raum, wie es in der Hauptstadt noch nie gesehen hatte – dabei gab es dort bestimmt mehr Leute. Sie kamen nur nicht aus ihren Häusern oder waren nicht auf den Straßen. Zudem boten die Einkaufsmeilen der Hauptstadt ein geradezu ekelhaft homogenes Bild. Geradezu dekadent schick gekleidete Männer und Frauen, die allesamt gleich aussahen und sich ausgelassen unterhielten, während lumpig gekleidete Menschen hinter ihnen herdackelten wie Packesel, die die 5 Einkaufstaschen der Leute trugen, die sie besaßen wie Vieh. Hier gab es so viele unterschiedliche Menschen. Sie unterhielten sich auf Augenhöhe. Und Sätze wie ‚Das schickt sich nicht James‘ oder ‚Mit so jemanden spricht man nicht, Kate. Die sind dreckig!‘ fielen hier nicht.
Es war beeindruckend. Beeindruckend und einschüchternd und eine Sekunde lang, fragte er sich, wie man hier jemals irgendwen wiederfinden sollte. Zumindest erkannte er niemanden der Leute die er bereits kennenlernen konnte. All die Gesichter waren fremd, aber gleichzeitig wusste er, dass sie nun seine Familie sein würden. Sowie Zephyr seine Familie geworden war…wo auch immer er gerade steckte. Ein fieser Gewissensstich machte sich in ihm breit. Nur kurz. Dafür intensiv. Aber dafür war keine Zeit. Es war richtig…es war richtig.


So…Da wären wir…“, sagte der Muskelprotz und blieb stehen, was Pickford ihm sofort gleichtat.
Vor ihm erstreckte sich eine lange Glaswand, hinter der ein großer Raum zu sehen war. Ein Tisch, nein eher eine Tafel mit vielen Sesseln drumherum, die so aussahen, als würden sie jeden Moment zusammenbrechen. Und auf einem dieser Sessel saß eine Frau über einem Stapel Papier gebeugt. Viel konnte er nicht von ihrem Gesicht erkennen. Doch ein paar Narben konnte er doch deutlich erkennen, sowie auch ein Tattoo, das von ihrer Schulter ausgehend nach oben weiterführte. Eine Blumenranke. Er hatte auch so etwas. Aber an einem weitaus unauffälligeren – definitiv peinlicheren – Ort. Das war sie also. Mãe – von den Leuten hier Mama genannt.

Ein wenig einschüchternd war sie ja schon… Wobei er nicht wusste, ob sie es war, oder eher das Bild das er von ihr hatte. Sie war zumindest kleiner als er immer geglaubt hatte dass sie ist. Natürlich hatte er sie bereits kurz gesehen – immerhin hatte sie ihm den Chip aus dem Arm operiert. Aber da war er so durch den Wind gewesen, dass er sie kaum erkannt oder gesehen hatte.
Geh endlich rein. Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit, verdammt!“, knurrte der Kerl ihn an und mit einem Schubser seitens des Muskelprotzes, kam er schließlich in den Raum gestolpert.
Wortwörtlich. Gestolpert.

Er trat der Frau, die das Leben so vieler veränderte, nicht etwa respektvoll stehend, sondern eher lasch am Bauch liegend entgegen.
Blut schoss in seine Wangen, Hitze breitete sich aus und für eine Sekunde fragte er sich, ob er nicht einfach liegen bleiben konnte, eher er sich doch aufrappelte, kurz räusperte, ein „Tut mir leid“, anhängte und sie mit schuldbewussten Augen ansah. „Ich… bin hier weil ich mich melden sollte, Mam… Oder..Mãe…Mama… oder… Wie spricht man Sie an?“
…Er war ja so ein Idiot.
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Audra Maeve Pritchard
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BeitragThema: Re: Und du hast ihnen doch alles gegeben. Deine Kraft, deine Jugend, den Leben.|| Mae und Pixie   Sa Jun 10, 2017 12:05 am

Es gab Mitglieder der Rebellen, die Mae als Kontrollfreak bezeichnen würden. Womöglich hatten sie recht, zumindest ein wenig. Für sie war Vertrauen dennoch eine sehr wichtige Sache, doch die Kontrolle verlor sie nur ungern. Das war einer der Gründe, warum auf dem Besprechungstisch, aus einfachem Holz, neben den sonstigen Pläne für ihre Revolution, auch die Akten der Patienten lagen, die sich derzeit in Behandlung befanden und die einst in Behandlung gewesen waren. Mae brauchte diese Dokumente, denn sie gaben ihr die Kontrolle. Es war nicht ihr Stil, in die Ungewissheit zu laufen. Alles brauchte einen Plan und diese Pläne mussten durch Fakten unterstütz werden. Als Ärztin konnte sie nicht ohne ein Wissen über den Patienten operieren. Sie brauchte sämtliches Wissen über ihn, über Vorerkrankungen, Allergien und vor allem was zu operieren war. Anfänglich gab es bei den Rebellen, die damals noch versiffte Drogendealer und Prostituierte waren, keinerlei Dokumente. Ein Patient war in einen schäbigen Raum gebracht worden und entweder hatte der Schnaps in der Wunde gewirkt, oder er war verendet. So ging es auch heute noch etlichen Menschen, die keinen Platz in dieser hässlichen Gesellschaft fanden. Sie waren die Opfer dieses Systems und sie würden so sterben, wie sie zur Welt gekommen waren. Im Schatten der Reichen. Eine Pflanze konnte ohne Licht nicht gedeihen. Sie verkümmerte und dann verendete sie. Das Ziel der Anführerin der Rebellen war es, diesen Schatten zu vernichten. Sie wollte eine Gesellschaft, in der ein jeder seinen Platz fand und sich entfalten konnte, ohne Einschränkung der Freiheit, solange die Freiheit eines anderen nicht eingeschränkt wurde. Die Erfüllung dieses Traumes benötigte noch einige Planung und einiges an Zeit. Mae war aber entschlossen. Nichts könnte sie so schnell von diesem Plan abbringen, denn es war ihr Leben. Die Akten, vor denen sie saß, waren ihre Freizeit. Es bereitete ihr Freude, den Menschen, die sonst keiner behandeln wollte, eine Zukunft zu schenken. Ihnen das Leben zu retten, damit sie dafür kämpfen konnten, dass jeder die gleiche Behandlung erhielt.
Mitglieder, die sie als Kontrollfreak sahen, würden auch auf die Glaswände hinweisen, die sie in ihren vier Wänden umringten. Auf der einen Seite hatte Mae den Überblick über die gesamte, große Halle, in der sich die Unterkunft der meisten Rebellen befand. Auf der anderen Seite blieb ihr der Blick auf den Gang frei, der zu ihren Räumlichkeiten führte. Nur eine der vier Wände, wie auch eine weitere halbe, bestanden aus Beton. Dort befand sich ihre spartanische Ecke mit einem Feldbett, wie es jeder andere Rebell besaß, einer Kiste, in der sich ihre persönlichen Dinge befanden und einem olivgrünen Spind, in welchem sich ihre wenige Kleidung befand, die sie besaß. Ein weiterer Blickfang wäre unter Umständen die Dartscheibe in der sechs Pfeile steckten. An einem von ihnen hing ein winziger Fetzen eines Fotopapieres und es würde nur ein Fragezeichen aufwerfen, wenn man darüber nachdachte, um was für ein Foto es sich dabei handeln könnte. Ein Blick in die Kiste könnte dieses Rätsel unter Umständen lösen, doch müsste man tief graben und wenn Mae von dieser Neugierde erfahren würde, sollte man schleunigst das Weite suchen. Sie schätzte Neugierde dieser Art nicht besonders, schon gar nicht, wenn sie dazu führt, dass man in ihrer Vergangenheit kramt.
Eine andere Auffälligkeit war nicht vorhanden, soweit man es beurteilen könnte. Um den Tisch standen exakt 17 Sessel. Sie alle besaßen einen Eigentümer, der jedoch jederzeit abgewählt werden konnte, um von einem anderen ersetzt zu werden. Selbst der Sessel, auf dem Mae sich befand, konnte einen anderen Besitzer erhalten. Dafür reichte schon ein Misstrauensantrag eines Rebellen, sollte er über 18 Jahre alt sein und 50 Unterschriften gesammelt haben. Denn dann kam es zu neuerlichen Wahlen. Natürlich könnte sich auch Mae erneut aufstellen lassen, sie würde es auch tun, wenn es so weit kommen würde, doch bisher waren alle sehr zufrieden mit dem Kontrollfreak. Es zeugte auch von ihrer Verantwortungsbewusstheit, dass sie in ihrer Freizeit vor den Patientenakten saß. Andere Rebellen verbrachten ihre Freizeit mit weitaus konvenierenderen Dingen. Manche würden schon meinen, dass ihr Glas, gefüllt mit Schnaps zu ihren Freuden dieses freien Tages zählte. Für sie aber, hatte es einen Nutzen. So ein Glas Schnaps konnte bis zu einem Grad ihre chronischen Schmerzen unterdrücken, die von einer Behandlung herrührten, die von wenig Erfahrung gezeugt hatte. Eine Behandlung, die laut der ersten und zweiten Schicht würdig genug war für eine Verstoßene. Doch keine Frage, Mae war dankbar dafür, immerhin diese Behandlung erhalten zu haben. Es gab auch unzählige Verstoßene, die nicht einmal diese erhielten und verstarben, ohne dass es eine andere Menschenseele interessierte, als würde ein Sack Reis am anderen Ende der Welt umfallen. Unbedeutend und nicht gesellschaftsbewegend. Ein anderer Stapel an Dokumenten zählte zu ähnlichen Fällen. Zu Todesfällen, die unerklärlich waren und nur Verstoßene, kranke, behinderte und alte Menschen betrafen. Die Fälle wurden immer häufiger und auf den Straßen, die kein Mensch aus Schicht 1 und Schicht 2 je betreten würde. Diese Dokumente zählten in dieser Stunde aber nicht zu Maes aktiver Aufmerksamkeit. Ihre Inhalte schwirrten nur passiv in ihrem Hinterkopf herum und suchten nach einer Lösung. Vor ihr befanden sich zwei neuerliche Dokumente, die zu den Krankenakten hinzugefügt werden würden. Einer davon war der neuerliche Gefangene der Rebellen. Zephyr Warrington. Jüngster Sohn des Präsidenten der Reichen, mit dem Alter von 13 Jahren. Gewicht und Größe waren noch unbekannt. Sein Standort war ein eigens besorgter Gefängniscontainer, in der untersten Ebene dieses Gebäudes, des Hauptrebellenlagers. Beschrieben wurde ihr sein Zustand als stabil und in der Aufwachphase befindlich. Eine Möglichkeit mit dem verstörten Kind zu sprechen, hatte sich für Mae noch nicht ergeben und auch dafür musste sie erst einen Plan erstellen. Hier musste man viel mit der Psychologie eines jungen Menschen spielen und darüber Bescheid wissen, wie sie funktionierte. Die Phase der Einschüchterung war ja bereits erfolgt. Dafür hätte glatt schon das Entfernen seines kostbaren Chips gereicht und den Rest hatte der Anblick von Janosch erledigt.
Die zweite Akte war die des Entführers dieses Kindes. Ein treues Mitglied mit 19 Jahren und einer ebenso treuen und loyalen Familie, von der sich der Großteil in diesen Hallen befand. Von solchen Familien hatten sich über die Jahre etliche angesammelt und sie waren sehr wertvoll für dieses System. Die Rolle des jungen Mr. Young war gewiss keine einfache und ihm gebührte einiges an Dank, dass er seinen ersten, großen und so gewichtigen Auftrag erfolgreich ausgeführt hatte. Das war auch der Grund, warum sich Mae ihm persönlich annehmen wollte. An und für sich gab es eigene Zuständige für Neuankömmlinge, die für ausreichend Unterstützung und Informationen zum System sorgten. In so besonderen Fällen legte Mae gerne einmal Dokumente, Stifte und Pläne weg, um sich diese Neuankömmlinge persönlich anzusehen. Ein weiterer Bogen lag vor Mae, der eine Art Steckbrief enthielt und in die eigens angefertigte Akte von Pickford landen würde. Die Zahl der Rebellen stieg stetig an und es wurde immer wichtiger, dass sie registriert wurden, um nicht den Falschen Einlass zu gewähren. Da reichte auch die Blumenranke nicht mehr aus, die als Erkennungssymbol der Heuschrecken diente. Erwähnte man einen Namen in Maes Gegenwart, wollte sie überprüfen können, um wen es sich dabei handelte. Das war wohl der wirkliche Grund, warum man Mae als Kontrollfreak betitelte. Sie konnte verstehen, dass es einigen unangenehm war, in einer Akte zu stehen, doch in manchen Fällen war die Bürokratie nicht unwesentlich. Wer in keinem Dokument auftauchen wollte, könnte sich eine andere Rebellengruppe suchen, von diesen unzähligen anderen. Ansonsten wäre hier für jeden Platz. Ungeachtet des Geschlechts, der sexuellen Orientierung, des körperlichen Zustanden und anderen Faktoren, die zum Ausschluss aus der obrigen Gesellschaft führten. Diese Fakten tauchten auch nicht in der Akte auf. Es war nur der Name wichtig, samt Geburtsdatum und Sektion. Keiner der Rebellen hatte die Erlaubnis, tatenlos hier zu verweilen, außer es lag ein guter Grund, wie eine Behinderung vor. Ein anderer Teil war die Strafakte, die vor der Ankunft eines Neuen leer war. Sie würde sich erst mit den Taten, innerhalb dieser Gesellschaft führen. Davor trug ein neues Mitglied die weiße Weste. Sortiert wurden diese Akten nach Ankunft, Geburtstag und Anfangsbuchstabe des Vornamens. [Platzhalter für das Ankunftsdatum von Pixie], 5. Juli 1997, P. Nachdem man Mae mitgeteilt hatte, dass der Neuankömmling erwacht war, hatte sie ihm exakt zwei Stunden gegeben, um sich nach der Bewusstlosigkeit ein wenig zu fangen. Im Gegensatz zu anderen, die ein Teil dieser Mission gewesen waren, hatte er es noch ganz gut getroffen. Für Mae war damals die Entfernung des Chips das kleinste Übel gewesen. Sie besaß auch an eben dieser Stelle eine große, für manche unattraktive Narbe. Mae würde sich ja nicht selbst loben, doch sie hatte die Chipentfernung perfektioniert. Bei diesen beiden Kandidaten war es nur schwerer gewesen, da die Fahrt mit dem Einsatzfahrzeug sehr unruhig und die Zeit ebenso sehr gering gewesenen war. Trotzdem war sie der festen Meinung, dass diese Verletzung nichts war, worüber man sich beschweren konnte. Weder bei Zephyr, noch bei Pickford. Wobei das Kind keine Schmerzen gewöhnt sein sollte, so behütet wie es aufgewachsen war. Mit einem Blick auf die tickende Uhr, die über der Tür hang und die exakt zehn Minuten vorging, stellte Mae fest, dass der Neue bereits eine Viertelstunde zu spät dran war. Also schob Mae seine Akte zur Seite, um für die sonderbaren Fälle Platz zu machen. Genau in diesem Moment vernahm die Anführerin die Stimme einer Person, der Mae lediglich seine Professionalität etwas abgewinnen konnte. Ansonsten war kein Abstand zwischen ihnen beiden breit genug. Seine Art und Weise machte Mae aggressiv und bereitete ihr Kopfschmerzen, verbunden mit dem Verlangen, ihm ein Skalpell hinein zu rammen. Warum Janosch gerade ihn als Kontaktperson zwischen ihr und Pickford vorgeschlagen hatte, war ihr Schleierhaft, doch wollte sie einmal nicht so sein und auf den Rat ihres Stellvertreters hören. Fast war sie der Überzeugung, dass der schräge Vogel, den sie als ihren Sohn ansah, dem Neuen eine unangenehme Ankunft hatte bereiten wollen, die ihm Wayne ganz sicher beschert hatte.
Genau diese Annahme wurde bestätigt, als der Neue kurzerhand am Boden landete, anstatt wie jeder andere auf beiden Beinen durch die Türe zu treten. Mae schenkte Wayne einen missbilligenden Blick, der es mit einem schmierigen Lächeln entgegen nahm. Er wäre wohl der erste, der ihr ein Messer in den Rücken rammen würde, wobei er zu dümmlich wirkte, um einen diabolischen Plan zu schmieden. Er war mehr ein Mensch, der einem Adrenalinjunkie sehr ähnlich war, passend zu seiner Stellung innerhalb der Offensivsektion. Mit der gänzlich narbenlosen, erhobenen Augenbraue, blickte Mae den Neuen an, der sich wieder aufrappelte und bemitleidenswert dreinblickte und die Farbe einer Tomate annahm. Ganz ruhig legte Mae das Papier auf den Stapel. Und rückte mit ihren hohen, schwarzen Stiefeln ihren Sessel weiter nach hinten, sodass ihre lange, schwarze Arbeiterjeans zum Vorschein kam. Angepasst an die hohen Temperaturen dieser Region, trug sie am Oberkörper ein weinrotes Top, das selbst Teile ihrer unzähligen Narben am Rücken frei ließ. Erst betrachtete sie stumm ihr Gegenüber, achtete auf seine Reaktionen. Die unterschieden sich oft sehr stark, vor allem in Bezug auf ihr vernarbtes Gesicht, die als Symbol für die Gesellschaft der Orbigen diente. Aus seinem Gesichtsausdruck las sie vor allem Bewunderung und Scham ab. Er hatte den Anschein eines unschuldigen Kindes, zumindest eines Jugendlichen. Immerhin war er in einem ganz anderen Umfeld aufgewachsen. Wahrscheinlich wusste Mae mehr über ihn, als er von ihr dachte. Vor zehn Jahren wurde er in die Obhut der dort herrschenden Präsidentenfamilie gegeben, um als Spion für die Rebellen zu dienen. Er war länger im Palast, als der Präsidentensohn selbst.
,,Pickford.‘‘ raunte sie und setzte ein freundliches Lächeln auf. ,,Mae wäre ein Anfang.‘‘ Ihr war bereits schon öfter die Anrede: ,,Mama,‘‘ zu Ohren gekommen. Also kein Wunder, dass der Junge verwirrt war.
,,Schön, dass du es mit einer 15 minütigen Verspätung zu mir geschafft hast.‘‘ meinte sie und blickte auf den Verband an Pickfords Arm. Er war ungenau verbunden worden, ohne einen Hauch von System.
,,Zeig mir deinen Arm.‘‘ forderte sie ihn auf und hinterließ mit diesen Worten weder den Eindruck von Freundlichkeit, noch von Missgunst. Es war eine neutrale Aufforderung. Das diente unter anderem dazu, um sein Auftreten ihr gegenüber weiter zu analysieren und zudem wollte sie die Wunde sehen, da der Arm in der Tat von einem Laien verbunden worden zu sein scheint, der sich ohne ihre Anwesenheit als Arzt versucht hatte. Sollte dem nicht zu sein, benötigte wohl einer ihrer dortigen Kollegen eine neue Lektion in Sachen Verbände.
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