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 Das Gefühl des Verlustes ist schlimmer als ein Dolch im Herzen | Mãe

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Audra Maeve Pritchard
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BeitragThema: Das Gefühl des Verlustes ist schlimmer als ein Dolch im Herzen | Mãe   Di Mai 30, 2017 11:17 am

Der Fernseher wurde abgeschaltet. Um sie herum bewegten sich gestalten, murmelten, schluchzten. Noch immer starrte Mae auf den schwarzen Bildschirm. Sie musste erst begreifen, was sie gerade gesehen hatte und was es bedeutete. Der kleine Junge, bekleidet mit dreckigen Fetzen und einem schwarzen, wilden Schopf am Haupte, blickte sie aus entschlossenen, braunen Augen an. Er hatte leben wollen. In dieser verdreckten, aussichtslosen Welt war ihm dieses Leben nicht zuwider geworden, denn es war sein Leben. Immer schon, hatte er sich darauf verstanden, das Beste, aus jeder Situation zu holen. Er war in diese beschissene Welt hineingeboren worden. Er, Janosch, hatte nie etwas Anderes gekannt, denn es war seine Welt gewesen. Durch ihn war Mae dort hinein gezogen worden und nur durch ihn hatte sie dort überleben können. Wie konnte diesen Augen der Glanz genommen worden sein. Wie konnten sie nun so schwarz sein, wie der Bildschirm dieses Fernsehers. Der kleine Junge hatte sie angeblickt und Mae war damals nichts anderes übrig geblieben, als dem Kind zu helfen, mit allen Mitteln. Sie hätte für ihn ihr Leben gelassen. Vor sich sah sie noch immer den leblosen Körper, mit dem Strick um den Hals und den leblosen Augen, die in das Nichts starrten. Ihr waren die Hände gebunden gewesen. Tatenlos hatte Mae zusehen müssen, wie ein niedriger Henker dem Jungen von damals, einen Strick um den Hals gelegt hatte, wie diese verabscheuungswürdigen Leute gejubelt hatten und wie der Junge, nun zum Mann herangewachsen, zumindest äußerlich, zu seinen letzten Worten gekommen war, die genau das ausgedrückt hatten, was er geleibt und gelebt hatte. Worte, unterstrichen vom Wahnsinn seiner Person und dem Leben, das er hinter sich gebracht hatte und ihn zu diesem Jungen hatte werden lassen. Geboren als Mittelloser, gestorben als Held. Der Held, der beim Diebstahl eines neuen Generators gefasst worden war. Er war der einzige, der es nicht geschafft hatte. Alle anderen Feiglinge versteckten sich, wie Mae selbst. Hier in Sicherheit, umgeben von ihren Leuten, die es nicht wagten, auch nur ein Wort an sie zu richten. In ihrer Magengegend bildete sich ein seltsames Gefühl, das bis in ihre Kehle hoch reichte. Es schmerzte sie und trotzdem blickte sie noch immer auf das Schwarz. In ihrem Kopf hämmerte es. Die Bilder flackerten immer wieder auf. Wechselnd zwischen der Vergangenheit und der Hinrichtung. Was hätte sie tun können, um dies zu verhindern? Janosch hätte nicht vor ihr gehen dürfen. Wie konnte er sie hier im Stich lassen. Dieser kleine Junge hatte sie in diese Welt gebracht. Es war seine Welt. Er durfte sie hier nicht alleine lassen. Seine Mission war noch nicht zu Ende! Sie hatte ihn nicht gerettet, nur damit er vor ihr starb. Er sollte zurück kommen, auf der Stelle. Dieser verdammte Strick sollte sich bewegen, seine dunklen Augen sollten den Glanz wieder einfangen und der Welt sollte er an den Kopf werfen, wie scheiße sie war. Das tat er doch so gerne! Er schwafelte so verdammt gerne. Ohne ihn wurde es immer stiller. Nur dumpfe Geräusche blieben ihr noch, die für Mae keinerlei Bedeutung hatten. Was war diese Welt noch, ohne seine blödsinnigen Ansprachen, die für die meisten keinen Sinn ergaben. Sollten sie alle von der Ernsthaftigkeit verschluckt werden? Nein, wenn man seinen Worten wirklich gelauscht hatte, wusste man, dass darin auch Inhalt versteckt gewesen war. Wie in seinen letzten Worten. Janosch hatte es geschafft, dass dem Präsidentenpaar die Maske verrutscht war. Die noch so perfekte Aglaia hatte plötzlich nicht mehr so gefasst gewirkt, bis die Kameras entfernt worden waren. Doch nein, Mae musste sich mit den Tatsachen befassen. Die manchmal noch so nervigen Ansprachen von Janosch, ihrem Ziehsohn, würden von nun an ausbleiben. Ihn hatte das zeitliche gesegnet. Seine Leiche wurde bestimmt in diesem Moment vom Strick genommen und…ja was?! Was geschah mit der Leiche eines in Verruf Gekommenen? Die Hände von Mae umfassten die Lehne des Sessels. Die Knöchel traten weiß hervor. In ihrem Kopf spielten sich die schlimmsten Szenarien ab, was man mit dem Körper ihres Ziehsohnes anstellte und die Schuld, die sich die Anführerin der Rebellen gab. Mögliche Rettungsaktionen, die sie hätte anfordern können, oder ihre alleinige Opferung für das seinige Leben. Das machte doch eine Mutter, wenn es um das Kind ging. Jedoch war er nie ihr richtiger Sohn gewesen. Während ihrer Launen hatte sie ihm das gerne an den Kopf geworfen und doch spürte sie, dass er genau das immer für sie gewesen war. Der Sohn, den sie nie hatte haben können, aber auch nicht nur ein Ersatz. Als er in ihr Leben getreten war, hatte sich alles für sie verändert und genauso war es doch, wenn ein Kind in das Leben der Eltern trat. Sie stellten ihre ganze Welt auf den Kopf. Mit seinem Tod geschah dies erneut. In ihr spielte sich so vieles ab und diese dumpfen Stimmen um sie herum wollten sie nicht alleine lassen, hier im Gemeinschaftsraum.
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